Hansgrohe Group:
Gewinnt Palladium zurück
Die Unternehmensgruppe wurde für das Rückgewinnungsverfahren aus Prozesswässern der Kunststoffgalvanik mit dem Deutschen Award für Nachhaltigkeitsprojekte 2026 ausgezeichnet.
© Hansgrohe SE
Brigitte Zypries, Bundeswirtschaftsministerin a. D. (Mitte), überreichte den Award an David Zapf (l.) und Tim Werbeck (r.), beide Verfahrensingenieure für Galvanotechnologie.
Mit der prämierten Technologie kann der wertvolle Rohstoff direkt im Produktionsprozess zurückgewonnen und wieder dem Rohstoffkreislauf zugeführt werden. Darüber hinaus zählt das Projekt zu den Finalisten des Circularity Champion Awards 2026 in der Kategorie Recycling & Rückgewinnung, dessen Gewinner im Oktober in Düsseldorf bekannt gegeben werden.
Niedrig konzentriertes Edelemetall zurückgewinnen
Palladium macht Kunststoffoberflächen im Galvanikverfahren leitfähig für die anschließende metallische Beschichtung. Während des Produktionsprozesses gelangen geringe Mengen des Edelmetalls in die Spülwässer. Die Herausforderung: Das in sehr niedriger Konzentration vorliegende Palladium muss aus einem komplexen Stoffgemisch mit hoher Selektivität zurückgewonnen werden. Das gelingt, indem das vorbehandelte Prozesswasser über spezielle Adsorbervliese geleitet wird, die Palladium selektiv binden und so dessen Rückgewinnung ermöglichen.
Die Technologie wurde seit 2018 von den Verfahrenstechnologen der Hansgrohe Group schrittweise für den industriellen Einsatz optimiert. Einen wichtigen Beitrag zum Projekterfolg leistete das Deutsche Textilforschungszentrum Nord-West (DTNW), das seine Expertise in der Metallrückgewinnung sowie die für das Verfahren eingesetzten Adsorbervliese in das Projekt einbrachte. Die technische Umsetzung der Anlage erfolgte durch die aqua plus Wasser- und Recyclingsysteme GmbH. Heute ist die innovative Technologie fest in die Produktionsabläufe der Kunststoffgalvanik am Standort Offenburg integriert. Die Ergebnisse zeigen das Potenzial dieser Kreislauflösung: Jährlich werden am Standort Offenburg rund fünf Kilogramm Palladium aus Prozesswässern zurück in den Rohstoffkreislauf geführt. Im optimierten Kreislaufbetrieb können dabei bis zu 82 Prozent des enthaltenen Edelmetalls zurückgewonnen werden. Dadurch kann im Vergleich zur Gewinnung derselben Menge Primärpalladium ein Vermeidungspotenzial von mehr als 150 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Jahr erzielt werden.

Rohstoffeffizienz mit Emissionsminderung
verbunden
„Die Auszeichnung bestätigt, dass innovative Produktion und nachhaltiges Wirtschaften untrennbar zusammengehören. Wir konnten aus einem bisherigen Verluststrom in unserer Kunststoffgalvanik einen wertvollen Rohstoffkreislauf schaffen, der den Bedarf an Primärpalladium reduziert und die mit der Gewinnung verbundenen Treibhausgasemissionen verringert. Unser Verfahren zur Palladiumrückgewinnung zeigt, wie Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab erfolgreich umgesetzt werden kann“, sagt Frank Semling, Vorstand Produktion der Hansgrohe Group. Das Projekt zeigt das Potenzial geschlossener Rohstoffkreisläufe in industriellen Produktionsprozessen. Darüber hinaus bietet der Ansatz Perspektiven für weitere Anwendungen in der Oberflächentechnik und bei der Rückgewinnung kritischer Rohstoffe.





